Bereits seit zwölf Jahren wird der EU-Projekttag an deutschen Schulen veranstaltet. Jedes Jahr gehen deutschlandweit Politiker in Schulen und diskutieren mit Schülerinnen und Schülern über Europa.

Daher besuchte MdL Dr. Gerhard Hopp am Freitag, den 04. Mai 2018, das Robert-Schuman-Gymnasium in Cham, um an „seiner“ Schule das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe zu suchen. Auch Frau Karin Stelzer vom EU-Informationszentrum „europe direct“ in Furth im Wald war erschienen und unterstützte den Vortrag mit Informationsmaterial zur Europäischen Union für die Schülerinnen und Schüler.

Nach der Begrüßung durch die stellvertretende Schulleiterin Angela Schöllhorn referierte der ehemalige Schumanist zunächst kurz über die historische Entwicklung der Europäischen Union, die Bedeutung der Gemeinschaft für Deutschland und besonders auch für den Landkreis Cham.

Die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bilden eine verlässliche und deshalb bei der Bewältigung vieler Probleme, wie der Krise der Flüchtlinge, eine handlungsfähige und starke Gemeinschaft. Auch wenn von den Medien oftmals negative Assoziationen zur Europäischen Union verbreitet werden, wie etwa der aufgeblähte Bürokratieapparat oder die als unsinnig empfundene Auflagen, profitieren die EU-Bürger und besonders die Deutschen in vielen alltäglichen Situationen von den vertraglichen Vereinbarungen, ohne dies zu bemerken.

Bezogen auf den Landkreis Cham betonte Dr. Hopp besonders die Bedeutung einer einheitlichen Währung, den freien Arbeitsmarkt und den freien Warenaustausch, dem die Region zu einem großen Teil den wirtschaftlichen Aufschwung in den letzten Jahren zu verdanken hat. Für Schülerinnen und Schüler sei zudem die Möglichkeit zur Teilnahme an internationalen Austauschprogrammen mit europäischen Partnerschulen gegeben.

Dagegen hemme, so Dr. Hopp, eine Politik der nationalen Abschottung, wie sie in vielen Ländern durch populistische Strömungen und Gruppierungen gefordert werde, diese Vorteile. Dass beispielsweise in Ungarn Viktor Orbán mit antieuropäischen Themen die Wahl gewinnt, verdeutliche die Unzufriedenheit vieler  Menschen in der Europäischen Union unzufrieden mit der europäischen Politik und sei zugleich ein Warnsignal, dass dieses Stimmungsbild ernstgenommen werden muss. Es gebe zweifelsohne Politikbereiche in denen die europäische Politik nicht wie gewünscht erfolgreich ist. So sei der Schutz der Außengrenzen und die Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge ein Aspekt, der durch populistische Politik stets kritisiert wird. Diesbezüglich warb Dr. Hopp für Vertrauen und Mut in europäische Ideen.

Hatten die Schülerinnen und Schüler gebannt den Worten des Landtagsabgeordneten zugehört, so nutzten sie nun die Gelegenheit und stellten ihm eifrig Fragen zu wichtigen Themen wie etwa zum Brexit, aber auch zum EU-Beitritt der Türkei oder deutschen Waffenexporten.

Der promovierte Politikwissenschaftler griff die Fragen der Jugendlichen auf und beantwortete sie offen und engagiert. So erläuterte er, dass der Brexit eine massive Schwächung der EU darstelle und auch Großbritannien mit erheblichen negativen Folgen zu kämpfen haben werde. Es sei natürlich ein Spagat, die europäische Einigung zu stärken, ohne zugleich die nationalen und regionalen Identitäten aufzugeben.

Hinsichtlich des EU-Beitritts der Türkei antwortete Dr. Hopp, dass die Verhandlungen aufgrund der aktuellen Entwicklung in der Türkei und der damit einhergehenden Entfremdung von der europäischen Idee momentan gestoppt seien. Ein Beitritt der Türkei ließe sich so kaum verwirklichen. Doch er betonte, dass der Kommunikations- und Verhandlungsweg mit der Türkei aufrechterhalten werden sollte, denn gerade als NATO-Partner ist die Bedeutung der Türkei nicht zu unterschätzen. Auch im Kampf gegen den IS brauche der Westen die Türkei, aber umgekehrt ebenso die Türkei die Unterstützung Europas.

Dr. Hopp betonte, dass deutsche Waffenexporte streng durch die Bundesregierung geprüft und in Zweifelsfällen auch nicht freigegeben werden. Ein generelles Verbot von Rüstungsexporten sei keine Lösung, um Konflikte zu befrieden. Vielmehr sei es nötig, sich bewusst zu machen, dass in Konfliktfällen Real- und weniger Idealpolitik umgesetzt wird.

Am Ende des interessanten Dialogs bedankte sich der Organisator der Veranstaltung, Herr Studienreferendar Philipp Schleicher, für den Besuch des Landtagsabgeordneten und sein Engagement, sich an „seiner“ Schule dieser wichtigen Aufgabe im Geiste Robert Schumans gestellt und den Schülerinnen und Schülern die Idee einer Europäischen Union nahegebracht zu haben.