Zum zehnten Mal schon wird die deutsch-französische Freundschaft am Robert-Schuman-Gymnasium in Cham gepflegt, und zwar im Rahmen des jährlich stattfindenden Schüleraustausches mit dem Collège Anne Cartier in Livron-sur-Drôme, der auf Initiative der Französischlehrerin Barbara Secknus mit Hilfe des DFJW ins Leben gerufen worden ist.

Während die deutschen Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Lehrkräften Maria Brunner und Karolin Heil bereits vom 4. bis 12. April 2019 in Frankreich waren, sind die französischen Gäste aktuell vom 13. bis 21. Mai in Cham.

In Frankreich durften die 19 Schumanisten die Gegend der Region Auvergne-Rhône-Alpes erkunden. Auf dem Programm standen neben dem Schulbesuch und einem Spaziergang durch Livron ein Ausflug in die nahegelegene Stadt Montélimard, die bekannt ist für die französische Spezialität Nougat, und das idyllische Dorf Mirmande, das zu den schönsten Frankreichs zählt. Natürlich durften auch Besichtigungen des monumentalen römischen Aquädukts Pont du Gard und der Papststadt Avignon nicht fehlen. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der beeindruckenden Tropfsteinhöhle der Grotte von Choranche im Vercors, einem Teil der Voralpen.

Deutsche Schülergruppe bei der Stadtführung durch Avignon

Das Programm des Gegenbesuchs ist nicht weniger interessant: Nach dem Kennenlernen des Schullebens machten die 26 Schülerinnen sowie Schüler zusammen mit den Lehrkräften Annelise Barnasson und Fabienne Amoussou-Adéblé aus Livron einen ersten Spaziergang durch die Stadt Cham und waren gleich ganz begeistert. Auch der Ausflug nach Bodenmais mit einer Wanderung auf den Silberberg, einer Bergwerksführung und einem Besuch der Glasbläserei Joska beeindruckte alle sehr.

Eine besondere Ehre stellte natürlich auch der herzliche Empfang bei der ersten Chamer Bürgermeisterin Karin Bucher im "Kleinen Sitzungssaal" dar. Zunächst offenbarte sie, selbst in der Schule Französisch als Leistungskursfach gelernt und an zwei Austauschbegegnungen in der Nähe von Paris teilgenommen zu haben. Für sie sei Französisch aufgrund des besonderen Klangs immer die bevorzugte Sprache gewesen. Dann zeigte sie die Chamer Freizeitangebote und Sehenswürdigkeiten auf wie das Chamer Freizeitbad mit seiner extravaganten Trichterrutsche und die neue Stadthalle, die die Stadt Cham ganz ohne Zuschüsse selbst finanziert habe. Des Weiteren erläuterte sie, dass die Chamer Bürger nicht parteienabhängig, sondern personenorientiert wählten. Sie selbst gehöre keiner Partei, sondern der Wählergemeinschaft „Freie Wähler“ an. Dabei beklagte sie, dass immer noch zu wenige Frauen politisch aktiv seien, und rief die französischen Schülerinnen dazu auf, hier Abhilfe zu schaffen. In Bezug auf die Chamer Schulen informierte sie die französischen Gäste darüber, dass Kinder aus 22 verschiedenen Nationalitäten die Grundschule Cham besuchten. In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf das zunehmende Interesse an der Ganztagsschule, die es besonders Kindern mit Migrationshintergrund ermögliche, schnell Deutsch zu lernen und sich zu integrieren. Hinsichtlich der Zuwanderung sieht sie zudem eine Chance, dem Mangel an Arbeitskräften, vor allem in den Bereichen der Kindererziehung, der Seniorenbetreuung und des Handwerks, entgegenzuwirken. Schließlich ermutigte sie auch die französischen Schülerinnen und Schüler, nach ihrem Schulabschluss in Erwägung zu ziehen, nach Cham zurückzukommen, um hier zu arbeiten und vielleicht sogar zu heiraten, da der „Kleine Sitzungssaal“ auch als Trauungssaal diene. Die Gäste erhielten zum Schluss noch ein kleines Souvenir in Form eines wasserdichten Etuis, das sie an ihren Besuch im Chamer Rathaus erinnern soll.

Französische Schülergruppe beim Empfang durch die erste Bürgermeisterin
Karin Bucher im „Kleinen Sitzungssaal“ im Rathaus

Bis zu ihrer Abfahrt am Dienstag stehen noch ein Ausflug nach Regensburg und eine Wanderung nach Altenmarkt zum Bauerngolf auf dem Programm.

Natürlich ist neben dem landeskundlichen Aspekt auch der Kontakt mit den Austauschpartnern und deren Familien eine ganz neue und wichtige Erfahrung. So lernen die Schülerinnen und Schüler das Leben in den Gastfamilien, die Essgewohnheiten und vor allem die Fremdsprache besser kennen. Dabei sind auch schon ganz enge deutsch-französische Freundschaften entstanden, die beweisen, dass die Idee, die dem Namensgeber Robert Schuman – dem großen Europäer und Kämpfer für die deutsch-französische Freundschaft – so sehr am Herzen lag, tatsächlich gelebt wird.