Wie soll man mit der historischen Vergangenheit umgehen? Diese Frage ist schwer zu beantworten, vor allem dann, wenn unangenehme Punkte wie Krieg, Vernichtung und Vertreibung berührt werden, an die man gar nicht gerne denken mag. Oft setzen daher Verdrängungsprozesse ein, ja es wird sogar geleugnet. Doch gerade deshalb spürten engagierte Schülerinnen und Schüler der Q11 des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham im Rahmen des internationalen Projektes LG_PD – Lernen aus der Geschichte / Poučení z dějin zusammen mit ihren Mitschülern aus Tschechien und der Slowakei dieser eingangs formulierten Frage nach.

Der Initiator dieses Projektes ist der pensionierte Schweizer Soziologe Dr. Michal Arend, der Sohn jüdischer Eltern, die zunächst ins Ghetto Litzmannstadt, dann ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert worden waren. Nach der Befreiung hatten sie zunächst in der Tschechoslowakei gelebt und waren nach dem Prager Frühling in die Schweiz emigriert. Aufgrund seiner Familiengeschichte hat es sich Michal Arend zur Aufgabe gemacht, den Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sein Anliegen ist es, den Umgang der  jungen Generation mit diesem Thema zu untersuchen. Zentrale Fragestellungen sind zudem die Bedeutung des Holocausts und die Zukunft des Gedenkens, sowie die Wahrnehmung von Antisemitismus und Diskriminierung.

Die 23 Schumanisten hatten in den letzten anderthalb Jahren als Vorarbeit unterschiedliche Themenfelder bearbeitet. So haben sie Umfragen zur Wahrnehmung des Holocaust bei Jugendlichen durchgeführt, haben Fremdenfeindlichkeit am Beispiel des Islam analysiert, haben Zeitzeugen zum 2. Weltkrieg befragt und sogar künstlerische Wege gesucht, um neue Ansätze einer zeitgemäßen Gedächtniskultur zu erproben.

Vom 3. bis zum 7. April 2019 wurde nun, gefördert durch den Deutsch-Tschechischen-Zukunftsfonds (DTZF), die Abschlusskonferenz in Prag in den Räumlichkeiten des Goethe-Instituts durchgeführt. Die Schumanisten waren in Begleitung der betreuenden Lehrkräfte Philipp Schleicher und Geschichtsfachbetreuer Dr. Paul Schrott angereist. Auch Herr Andreas Pregler vom Landratsamt Cham, das zusammen mit dem Förderverein der Schule durch den Fonds „Projekte zur Förderung von Toleranz und Demokratie im Landkreis Cham“ die finanziellen Mittel für die Reise bereitgestellt hatte, begleitete die Fahrt und nahm an dieser sehr interessanten Konferenz teil. Dabei konnte er zusehen, wie die Jugendlichen aus drei Ländern sich miteinander engagiert, doch vorurteilsfrei, mit den Gräueltaten der gemeinsamen Geschichte auseinandersetzten, viel mehr aber noch sich über die gemeinsame Gegenwart und Zukunft austauschten und versuchten neue Wege für ein verantwortungsvolles und vor allem friedliches Miteinander der Völker zu erarbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass dieses engagierte Eintreten für eine vorurteilsfreie europäische Gemeinschaft Schule macht und die Ergebnisse nicht nur bei den Teilnehmern nachwirken!