Die Italiensehnsucht trieb zu Beginn des Schuljahres eine Gruppe von 36 Schülerinnen und Schülern des aktuellen Abschlussjahrgangs unter der Begleitung der Lehrkräfte Renate Jobst, Sandra Fischer und Wolfram Steininger an den Golf von Neapel.

Nachdem diese Studienfahrt die letzten beiden Jahre coronabedingt ausgefallen war, war in diesem Jahr die Vorfreude groß und die Strapazen der rund 18-stündigen Fahrt schnell vergessen, als sich der Bus auf der kurvenreichen Strecke von Neapel Richtung Sorrent schob.

Am ersten Morgen stand ein Ausflug zum Vesuv auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein stieg die Gruppe mit leicht mulmigem Gefühl, aber auch voller Vorfreude zum Kraterrand auf und hatte einen herrlichen Blick auf die pulsierende Millionenstadt Neapel. Während der Mittagspause aß man gemeinsam in einer typischen kleinen Pizzeria im modernen Herculaneum, den Nachmittag verbrachte man unter Begleitung des fachkundigen und humorvollen neapolitanischen Reiseführers Dr. Gaetano Durante, der nun schon seit einigen Jahren vor Ort die Chamer Jugendlichen begeistert, im antiken Herculaneum. Wegen des sehr guten Erhaltungszustands der Häuser vermittelt Herculaneum einen sehr anschaulichen Eindruck vom Alltagsleben in einem antiken Städtchen.

Einen Zeitsprung von etwa 2000 Jahren erlebten die RSGler am nächsten Tag: Das mondäne Capri stand auf der Reiseroute der RSGler. Nachdem man dem Trubel im engen Hafen entkommen war, konnten die Schülerinnen und Schüler auf einer Bootsfahrt bis zu den Faraglioni-Felsen das strahlend türkisblaue Wasser, mehrere Grotten und Felsformationen – so z.B. einen „Elefantenrüssel“ oder eine „Schildkröte“ – an der Steilküste bestaunen.

Zurück im Hafen mit windzerzaustem Haar stand die nächste abenteuerliche Etappe auf dem Programm: mit dem Minibus hinauf nach Anacapri, auf Straßen, die einst für Vespas und Fiat 500 geplant worden waren. Im Garten der wunderbaren Villa San Michele konnte man etwas Ruhe finden und den Blick über die Insel schweifen lassen. Wer wollte, durfte eine Sphinx aus Marmor streicheln; und wer abergläubisch ist, darf nun nach dieser Berührung davon träumen, nach Capri zurückzukehren.

Anschließend ging es nach einer Mittagspause nach Capri-Stadt. Hier lotste Gaetano die Oberpfälzer durch schmale Gässchen abseits der Touristenströme zu den Augustusgärten, einer Parkanlage, von der aus man einen herrlichen Blick einerseits auf die Via Krupp und andererseits auf die malerischen Faraglioni-Felsen hat.

Das Archäologische Nationalmuseum in Neapel, wo weltberühmte Mosaiken, Fresken und Skulpturen bestaunt wurden, wurde am folgenden Tag angesteuert. Am Nachmittag fanden sich dann die Schülerinnen und Schüler in zwei gignatischen Bauwerken und Zeugnissen der antiken Ingenieurskunst wieder: zum einen in der Piscina mirabilis, einer etwa 12.500 Kubikmeter fassenden Trinkwasserzisterne, mit der in der Antike in erster Linie die bei Misenum stationierte Flotte versorgt wurde; zum anderen im exzellent erhaltenen Amphitheater von Pozzuoli.

Als klassisches Reiseziel der Grand Tour, abseits des Massentourismus, wurde tags darauf Paestum angesteuert. Die dort spürbare besondere Stimmung, die drei dorischen Tempel und das weltberühmte Grab des Tauchers waren die kulturellen Höhepunkte an diesem Tag; eher entspannend dagegen verlief der späte Nachmittag am herrlichen Sandstrand in unmittelbarer Nähe zum Ausgrabungsgelände.

Den Vormittag des letzten Tages nutzten die Chamer für einen gemütlichen Einkaufsbummel durch die malerischen und bunten Gassen von Sorrent. Hier erlebt man auf engem Raum internationales und friedlich-unbeschwertes Flair.

Und so haben die RSGler dieses „Land“ am eigenen Leib erleben und spüren dürfen und nehmen mehr mit als diese eine fast schon zu Tode zitierte, abgedroschene erste Liedzeile.

Denn mehrere Schüler und Schülerinnen erkundigten sich schon vor Ort nach Unterkünften und nach den Kontaktdaten des Reiseführers Gaetano. Sie wollen wiederkommen. Sie sind „infiziert“ von Sehn-Sucht. – Was könnte es Schöneres geben?

Überlassen wir deshalb Goethes Mignon die abschließenden Worte und geben wir ihr Raum für wenigstens eine ganze Strophe:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,

Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,

Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,

Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,

Kennst du es wohl?

Dahin! Dahin

Möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!

Steininger Wolfram