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„Es ist einmal passiert, das heißt, es kann auch wieder geschehen“ – Schumanisten besuchen KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Die komplette 9. Jahrgangsstufe des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham stattete der KZ-Gedenkstätte  am 21. Mai 2015 einen Besuch ab.Bereits im Vorfeld waren die Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Klassen im Rahmen des Geschichtsunterrichts und der Befreiung des KZs vor 70 Jahren thematisch darauf vorbereitet worden.

Nach der etwa 90-minütigen Anfahrt wurden vier Gruppen aufgeteilt und von je einem Rundgangsleiter zwei Stunden über das historische Gelände geführt. Zu Beginn erhielten die Schülerinnen und Schüler allgemeine Informationen über das KZ Flossenbürg, das Anfang Mai 1938 eröffnet wurde und zuvor von den ersten 200 Häftlingen selbst erbaut werden musste. Der Ort wurde aufgrund seiner Abgeschiedenheit und des nahegelegenen Steinbruchs mit großem Granitvorkommen ausgewählt.

Das KZ war kein Vernichtungslager, sondern ein Arbeitslager, wie schon das Schild am Eingangspfosten mit der höhnischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ zum Ausdruck bringt. Keiner der Insassen wurde jedoch freigelassen, auch wenn das teilweise jüngere Insassen – es waren auch Kinder, die dort Zwangsarbeit verrichten mussten –  anfangs noch glaubten. Nur der Tod konnte die Menschen aus ihrer Qual befreien. Mehr als 30.000 Menschen der ca.  100.000 Inhaftierten aus über 30 Ländern starben hier an den Folgen der Strapazen, Kälte, Hunger, Krankheiten oder Hinrichtungen.

Auf dem Appellplatz, erklärten die Rundgangsleiter die  Funktionen der einzelnen Gebäude. Hier wurden jeden Tag morgens und abends die Häftlinge gezählt oder auch Strafaktionen, Hinrichtungen und Folterungen durchgeführt.  Die Menschen mussten hier bis zu drei Tage lang bei allen Witterungsbedingungen stehen, wenn beispielsweise Insassen vermisst und gesucht wurden.

Unter der Wäscherei, worin sich heute die Ausstellung „KZ Flossenbürg 1938-1945“ befindet, war das sogenannte Häftlingsbad, in dem die Neuankömmlinge ihrer noch letzten Habseligkeiten beraubt und komplett kahl geschoren wurden. Anschließend wurden sie unter Duschen mit abwechselnd kochend heißem und eiskaltem Wasser getrieben, was einige bereits geschwächte Häftlinge aufgrund von Kreislaufproblemen nicht überlebten. Durch die Verteilung der einheitlich blau-weiß gestreiften Häftlingskleidung, welche die Insassen stets tragen mussten und der Zuteilung einer Nummer, wurden die Menschen jedweder Individualität beraubt.

Aus diesem Grund zeigt die Ausstellung auch Einzelschicksale auf und auch die Betreuer der gingen bei ihren Ausführungen immer wieder auf diese ein. Beispielsweise auf den damals 14-jährigen Jack Terry, der die letzten zwei Tage vor der Befreiung überlebte, indem er sich ohne Essen und Trinken in einem Tunnel versteckte, der von der Wäscherei zur Küche führte, direkt unter dem Appellplatz. Durch weitere Bilder, Filmaufnahmen und originale Gegenstände, wurde den Schülerinnen und Schülern der Häftlingsalltag anschaulich und zugleich erschreckend erläutert. Dabei hoben sie auch selbst die etwa 20 Kilo schweren Granitblöcke, die von den Inhaftierten ohne entsprechende Ausrüstung und Nahrung 14 Stunden am Tag abgebaut werden mussten. In den letzten Kriegsjahren wurden die meisten Häftlinge jedoch vermehrt  zur Produktion von Flugzeugen der Luftwaffe herangezogen.

Über den Ehrenfriedhof, auf dem etwa 5.500 Tote in Einzelgräbern bestattet sind, erreichten die Klassen, den für sie wohl beklemmendsten Teil des KZs, das sogenannte „Tal des Todes“. Hier befand sich das Krematorium, das durch eine Rampe mit dem oberen Teil des Lagers verbunden war, um die große Anzahl an Toten zu transportieren. In diesem Bereich befindet sich  ebenfalls die Pyramide aus Asche von tausenden verbrannten Menschen, die zuvor noch auf einem Seziertisch nach „Brauchbarem“ wie beispielsweise Zahngold untersucht wurden. Zudem fanden in dem Tal auch Massenerschießungen, insbesondere an sowjetischen Kriegsgefangenen, statt. 

Kurz vor der Befreiung des KZs durch die Amerikaner am 23. April 1945 wurden diejenigen, die in der Lage waren zu gehen, auf die „Todesmärsche“ geschickt, um sie nicht in die Hände der Alliierten fallen zu lassen. Hier starben weitere 7.000 Menschen, an die auch die Gedenksteine in Wetterfeld erinnern.

Im Anschluss an die Führung bestand noch die Möglichkeit, einen Film über das KZ mit Aussagen von Zeitzeugen zu sehen oder den noch heute genutzten Steinbruch zu besichtigen.

Auf die Frage eines Schülers, ob so etwas Unfassbares wieder geschehen könne, antwortete die Rundgangsleiterin am Ende: „Es ist einmal passiert, das heißt, es kann auch wieder geschehen.“ Daher waren sich alle am Ende einig, wie wichtig es sei, dass jeder einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht, um das Vergessen dieses dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte und eine Wiederholung solcher Grausamkeiten für immer zu verhindern.

Sichtlich betroffen von den gesammelten Eindrücken dieser Exkursion traten die Schumanisten wieder die Heimreise an, vorbei an den Holzhäusern der ehemaligen SS-Wachmannschaften oberhalb des KZs, die noch heute bewohnt werden. 

 

Schülerstimmen zum KZ-Gedenkstättenbesuch:

Nina Neft: „Es war besonders schockierend, die Originalstücke wie die gebrauchte Häftlingskleidung hautnah zu sehen.“

Julia Weber: „Ich finde es schade, dass die Häftlingsbaracken und viele andere Gebäude abgerissen wurden. Es ist für mich auch unbegreiflich, wie auf einem ehemaligen KZ-Gelände Eigenheime gebaut werden konnten.

Niklas Ederer: „Die Einstellung unserer Klasse zu dieser Thematik hat sich nach dieser Exkursion  nochmals verändert. Es ist etwas ganz anderes, ob man nur im Unterricht von diesen Verbrechen erfährt oder diese Orte selbst besucht.

Mael Dörfert: „Besonders der Anblick des Krematoriums hat mich sehr getroffen. Ich verstehe nicht, wie Menschen zu solchen Taten fähig sein können.“

Kilian Huhn

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