"Bella Napoli" - RSG-Schüler in Neapel, Sorrent, Paestum und auf Capri
Nach der 18-stündigen Busfahrt durfte sich die Reisegruppe am Strand von Meta direkt bei der Unterkunft etwas erholen. Ein Italiener schloss sich gleich überglücklich den Jugendlichen aus Cham zu einer gemeinsamen Partie UNO an. Er erweckte den Eindruck, als habe er seit Jahren auf Spielpartner gewartet, die ihm nun das Schicksal aus Cham zugespült hatte.
Am Vormittag des nächsten Tages erklommen die Chamer den Vesuv, der hoch über Neapel thront und seit jeher zugleich Faszinosum und Schreckgespenst ist. Der Berg meinte es gut und gab den Blick frei auf die schier grenzenlose Millionenstadt Neapel. Am Nachmittag wurde unter der fachkundigen Führung von Raffaela und Dr. Gaetano Durante das antike Herculaneum besucht. Zwar war diese Stadt deutlich kleiner als das berühmtere Pompeji, vermittelt aber wegen des hervorragenden Erhaltungszustands einen sehr anschaulichen Eindruck davon, wie weitentwickelt schon in der Antike das städtische Leben war, das im Jahre 79 n. Chr. für die Ewigkeit erstarrte. Die Skelette in den Bootshäusern haben die Tragik und das Leid konserviert und lassen uns heute noch erschauern.
Am nächsten Tag ging es für die RSGler auf die mondäne Insel Capri – in Begleitung des stets gut gelaunten und liebenswürdigen neapolitanischen Reiseführers, der irgendwie mit allen Schiffskapitänen, Minibusfahrern und Restaurantbesitzern bekannt zu sein scheint. Gleich nach Ankunft im Hafen wurde ein kleineres Boot „gekapert“ für eine erfrischende Fahrt bei hohem Wellengang, Gischt und strahlend türkisblauem Wasser. Vorbei an malerischen Villen zwischen den schroffen Felsformationen ging es bis zu den berühmten Faraglioni-Felsen. Nach der Rückkehr in den Hafen wechselten die angehenden Abiturienten in Minibusse, die sie hinauf nach Anacapri brachten. Hier schuf der schwedische Arzt und Autor Axel Munthe eine lichtdurchflutete Oase der Ruhe, die Villa San Michele mit einem fantastischen Garten und atemberaubenden Ausblicken. Nach einer Mittagspause wurden die Oberpfälzer mit dem Minibus nach Capri-Stadt gebracht und folgten Gaetano durch die verschlungenen Gassen bis zu den Augustus-Gärten, von wo aus man – nun von hoch oben – einen herrlichen Blick auf das Postkarten-Motiv der Faraglioni-Felsen hat. Vor dem Rückweg musste noch ein Stopp bei dem legendären, grün-gekachelten Kiosk sein, um eine Granita oder ein leckeres Zitronen-Sorbet zu kaufen. Und so trat die Reisegruppe später gegen Abend gut gelaunt die Rückfahrt ans Festland an. – Capri wohl für immer im Herzen.
Am nächsten Morgen wurde das Archäologische Nationalmuseum in Neapel angesteuert, wo weltberühmte Fresken, Plastiken und Skulpturen bestaunt wurden. Die Mosaiken-Abteilung und das Gabinetto segreto waren leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. – Vielleicht ein Grund, dass der eine oder die andere in ein paar Jahren noch einmal zurückkehrt. Bei der Mittagspause in einer typisch neapolitanischen Straße konnten die RSGler die süditalienische Lebensweise aufsaugen, bevor man sich ins vulkanische Gebiet der phlegräischen Felder nach Pozzuoli wagte. Dort wurde das exzellent erhaltene Amphitheater besucht, das drittgrößte in Italien. Weiter ging die Fahrt danach nach Cumae, einer berühmten, mythologisch aufgeladenen Gründung griechischer Kolonisten. Heute präsentiert sich dort weitgehend unbeachtet vom Strom der Touristen u.a. die Grotte der Sibylle nur für wahre Latein- und Griechenfreunde. Anschließend ging es wieder zurück ins quirlige Neapel. Nach einem Fotostopp an der Uferpromenade wurde es emotional: Lauthals schmetterte der Bus das Lied „Bella Napoli“ und verabschiedete nach drei gemeinsamen Tagen den seit vielen Jahren mit Wolfram Steininger befreundeten Gaetano ins Feierabend-Verkehrs-Chaos Neapels. Seine begeisternde Art und seine ansteckende gute Laune tragen wir im Herzen.
Als nächstes Ziel, auch dieses abseits von den großen Touristenströmen, wurde am nächsten Tag Paestum angesteuert. Diese Stätte, traditionelles Ziel der „Grand Tour“, bietet drei beeindruckende dorische Tempel und das weltberühmte Grab des Tauchers. Nach Jahren der Renovierung war dieses Mal das Museum in allen Bereichen zugänglich und bietet nun für die Exponate ein würdiges Ambiente. Entspannend verlief dann der späte Nachmittag am herrlichen kilometerlangen Sandstrand in der Nähe. Dort bereiteten die Lehrkräfte ein buntes und erfrischendes Picknick für die Schüler mit Obst, das unterwegs an einem Stand am Straßenrand gekauft worden war.
Der Vormittag des letzten Tages wurde für einen gemütlichen Einkaufsbummel durch die engen und malerischen Gassen von Sorrent genutzt. So manches Souvenir und die eine oder andere Ledertasche traten danach die Rückreise nach Cham an. Mit guter Laune, Elan und Lebensfreude im Herzen können die RSGler nun die letzte Etappe bis zum Abitur in Angriff nehmen.
Text: Wolfram Steininger
Fotos: Carolin Prommesberger und Wolfram Steininger







