Bewegungs- und Tanzklasse

Was fällt Ihnen als erstes dazu ein?....
Ist das ein extra Angebot am Nachmittag? Das sind bestimmt wieder mehr Stunden?

Was kommt Ihnen noch in den Sinn?...
Muss man ein Sportler sein, um dahin gehen zu können?

Wenn da Bewegung auch während des „normalen“ Fachunterrichts stattfindet, fragen Sie sich dann,
… ob das dann nicht stört …? ob die Konzentration verloren geht…?, ob man zu viel Zeit verliert …?

Die Antwort auf alle Fragen lautet NEIN!!!!

Aber bevor wir alle weiteren Fragen beantworten, lassen Sie uns doch erstmal den Begriff BEWEGUNG klären!

Bewegung spielt eine zentrale Rolle / ist ein wichtiger Motor in unserem Leben!
Bewegung ist mehr als „sich nur Bewegen“!
Bewegung ist ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen!

Um es mit den Worten des Physiotherapeuten und Psychomotoriker Helmut Köckenberger zu sagen:



Der Begriff Bewegung beinhaltet vier entscheidende Faktoren, die eine gesunde Entwicklung des Menschen ermöglichen und zugleich wichtige Voraussetzungen für das Gelingen von Lernsituationen darstellen:

  • die soziale Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten und mit Regeln umzugehen
  • die emotionale Fähigkeit, wie wir unsere Gefühle über Bewegung ausdrücken, sei es ein Lachen oder ein Ärgern
  • die motorischen Fähigkeiten sprich Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Koordination
  • sowie die kognitive Fähigkeit, die je größer der Bewegungsraum wird, ebenso größer wird in Form von Erfahrung und eben beide Gehirnhälften über Bewegung aktiviert



Eine veränderte Kindheit bedingt ein verändertes und reduziertes Bewegungsverhalten. Erleben findet in vorgegaukelten Wirklichkeiten, am Computer oder Handy, in Filmen statt. Es fehlen „Frei-Räume“ zum Ausprobieren, Bewegen, Austoben, Entspannen.
Dabei ist Bewegung grundlegend für den Entwicklungs- und Lernprozess eines Kindes, das einen Großteil seiner Zeit in der Schule verbringt. Genau deshalb hat sich unser Gymnasium für die Einrichtung der Bewegungs- und Tanzklasse in der 5. Jahrgangsstufe entschieden. Darin wird das Medium Bewegung zur Vermittlung von Lerninhalten genutzt.

„Toben macht schlau!“ Diese Erkenntnis der renommierten Osnabrücker Sportwissenschaftlerin und Professorin Renate Zimmer hat sich das RSG im Rahmen einer bewegten Schule auf Ihre Fahnen geschrieben.
Der Entwicklungspsychologe Jean Piaget hat den Zusammenhang von Bewegung und Denken in ein Gesamtkonzept von Entwicklung und Lernen integriert.
Auch die Hirnforschung untermauert Piagets enge Wechselbeziehung zwischen Bewegen, Wahrnehmen und Denken.
Insgesamt unterstützt die Bewegung die kognitive Entwicklung auf mehreren Ebenen:

  • aktiviert den Kreislauf, die Sauerstoff- und Glukosezufuhr und stabilisiert somit die biochemischen Voraussetzungen des Denkens
  • stimuliert das Vestibulärsystem und schult somit unser Gleichgewicht
  • aktiviert verschiedene Areale des Gehirns und schafft neue Verknüpfungen


Und damit kommen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt der Bewegungs– und Tanzklasse:
Eine bewegungsfreudige Schule ist auch eine gesundheitsfördernde Schule, denn wie schon der römische Dichter Juvenal wusste:

     Mens sana in corpore sano!

Diese lateinische Redewendung, nach der ein gesunder Geist in einem gesunden Körper steckt (auch wenn die Intention bei Juvenal etwas anders war), hat am RSG Ihre Berechtigung in unserer Bewegungs- und Tanzklasse gefunden.
Ideengeber und Vorbild war uns das Goethe-Gymnasium in Regensburg, in dem sich seit 2014 die sogenannte Tanzklasse etabliert hat. Während in Regensburg die Unterrichtsinhalte über das Medium „Tanz“ vermittelt werden, hat das RSG seinen eigenen Schwerpunkt im Begriff „Bewegung“ gewählt und dem Schulprofil einer bewegten Schule angepasst.

Dabei geht es zum einen um Lernen in Bewegung, während hier die Bewegung unabhängig von den zu lernenden Inhalten zur Anwendung kommt. Zum anderen geht es beim Lernen durch Bewegung darum, dass die Lerninhalte in direkter Verbindung mit der Bewegung stehen.

  


Ein gutes Beispiel für Lernen in Bewegung sind unsere beliebten Platzwechselspiele (siehe beide Bilder oben), die unabhängig von den jeweiligen Fächern Ihre Anwendung finden. Da erledigen die Schüler auf Ihrem Arbeitsblatt eine Aufgabe. Nach Beenden der Aufgabe stehen die einzelnen Schüler auf und tauschen auf Kommando Ihre Plätze untereinander. Das kann mit verschiedenen Bewegungsaufgaben erfolgen, mal laut, mal leise, oder durch eigene kreative Lösungen.
 



Kleine Bewegungsrituale zwischendurch (siehe Bild oben) helfen Lernprozesse zu rhythmisieren und positiv zu gestalten.

Beim Lernen durch Bewegung geht es um ein Erarbeiten der Lerninhalte über das Medium Bewegung. Durch die konkrete Handlung in Bewegung erfährt der Schüler die Hinführung zum Thema mit allen Sinnen.
Das Beispiel im folgenden Bild zeigt die bewegte Erarbeitung der 1. Vergangenheit im Fach Latein, dem sogenannten Imperfekt. Dieses setzt sich aus drei Teilen zusammen, die die Schüler mit Bausteinen und einem Luftballon stellvertretend für die Silbe „-ba-“ richtig zusammensetzen und durchs Schulhaus transportieren mussten.


So macht Lernen Spaß!

  

Hier werden lateinische Verben in der richtigen Person und Endung erst durch das bekannte Spiel „Hüpfekästchen“ ersprungen und laut rhythmisiert, um dann anschließend in Gruppenarbeit die richtigen Endungen an die Wortstämme zu legen.
Be-greifen im wahrsten Sinn und mit allen Sinnen!

Im Sitzkreis wird die grammatische Besonderheit in Latein, der sogenannte „ACI“ besprochen, nachdem die Schüler vorher verschiedene Wege selbst ausprobiert haben.


Auch in Englisch wurde der bekannte Spruch „he, she, it, das „s“ muss mit in Bewegung umgesetzt mit einem sogenannten Fehler-Stop-and-go. Anschließend wurden die einzelnen Formen richtig zusammengesetzt mit Kärtchen und geeignetem Material.

    

In der Mathematik kommt das bekannte Spiel „Obstsalat“ des Öfteren zum Einsatz. Vor allem bei den Teilbarkeitsregeln lässt sich dieses Spiel gut im Klassenzimmer einsetzen.  


Aber auch Entspannung und Momente der Ruhe kommen nicht zu kurz:
so werden hier die Zehnerpotenzen geübt, indem die Schüler sich in zwei Gruppen gegeneinander die Exponenten auf den Rücken schreiben und der Vorderste die Zahl für die Gruppe aussprechen muss.

Diese Beispiele stellen natürlich nur ein kleines Puzzleteil aus einer großen Vielfalt an Bewegungsmöglichkeiten dar und sollen kleine Einblicke in unsere Praxis gewähren!


Nun aber zu ein paar wichtigen Fragen und vor allem Antworten:

Was versteht man unter einer Bewegungs- und Tanzklasse?
Die Bewegungsklasse wird in der 5.Jahrgangsstufe angeboten und  ist eine eigenständige Klasse, die genau wie jede andere Klasse den gleichen Lehrplan und die gleichen Prüfungen verfolgt. Sie unterscheidet sich von den anderen Klassen einzig durch den zusätzlichen Lernkanal Bewegung.
Eine Weiterführung in der 6. Jahrgangsstufe ist in etwas gekürzter und abgewandelter Form angedacht.

Wie sieht das in der Praxis aus?
In jeder Stunde findet eine kurze Bewegungseinheit statt, die als Anfangs- oder Endritual den Rahmen der Stunde bilden kann oder einfach zwischendurch der Auflockerung, Aktivierung, Konzentration oder Entspannung dienen soll.
Außerdem gibt es feste Bewegungsstunden, die in enger Zusammenarbeit mit ausgebildeten Bewegungsfachkräften stattfinden.
Haben die Schüler der Bewegungs- und Tanzklasse mehr Unterricht als die anderen Schüler?
Nein! Die Klasse wird zusätzlich in einzelnen Stunden mit ausgebildeten Bewegungsfachkräften im sogenannten Teamteaching unterstützt.

Was bedeutet das Wort Tanz? Ist das nur was für Mädchen?
Die Bewegungs- und Tanzklasse trägt diesen Namen, weil jede Bewegungsklasse auch einen eigenen Klassentanz gestaltet. Die Schüler erarbeiten im Differenzierten Sportunterricht mit der entsprechenden Bewegungsfachkraft in den ersten Wochen Ihren eigenen Klassentanz. Dabei geht es nicht um eine perfekt gestaltete Choreografie, sondern um Kreativität, Spaß und vor allem Gemeinschaftsgefühl. Dieser Klassentanz kann als Rahmen der Woche dienen, mit dem die Klasse in die Woche startet und die Woche damit auch wieder beendet.
Und Nein, das ist nicht nur was für Mädchen. Wir sind keine Ballettklasse, sondern wir nutzen Bewegung als zusätzlichen Lernkanal und können gerade damit dem Bewegungsdrang der Jungs gut begegnen.

In welchen Fächern und wie oft gibt es feste Bewegungsstunden?
In den Fächern Mathematik, Latein und Englisch findet einmal pro Woche eine Bewegungsstunde statt. Dabei arbeitet Diplomsportlehrerin Marion Hör eng mit den Fachlehrern zusammen und setzt die Lerninhalte in geeignete Bewegungselemente um. Im Fach Musik unterstützt Tanzpädagogin Johanne Timm im 14 tägigen Rhythmus die Fachkollegen, indem sie die Elemente Tanz, Rhythmus und Bewegung in den Stunden verankert.

Warum finden diese festen Bewegungsstunden im Teamteaching statt? In welchen Räumen?
Die Bewegungsfachkräfte erstellen in Absprache mit dem jeweiligen Fachkollegen ein bewegtes Stundenkonzept über den geplanten Lernstoff. Die Schüler werden über Bewegung mit dem neuen Lerninhalt vertraut gemacht, erarbeiten diesen spielerisch, vertiefen und üben im sozialen Miteinander.
Die Stunden finden vorwiegend in unserem Spiegelsaal statt, können aber zwischendurch auch im Klassenzimmer oder in unserem Fitnessraum abgehalten werden. Die Bewegungsfachkräfte stellen ein gutes Bindeglied zwischen den Schülern und Fachlehrern dar.

Durch Bewegung

  • wird das Lernen sinnvoll unterstützt
  • wird der Unterricht interessanter, lebendiger
  • herrscht im Unterricht eine entspanntere Atmosphäre



Na, haben wir Ihr Interesse geweckt?
Am besten ist, Sie melden Ihr Kind gleich in unserer Bewegungs- und Tanzklasse an und erleben und erfahren somit die verschiedenen Auswirkungen von Bewegung am eigenen Leib Ihres Kindes!


Einen Presseartikel und ein Video können Sie unter folgenden Links ansehen: