Ein kleiner Ausweis mit großer Bedeutung
Ein kleiner Ausweis mit großer Bedeutung
Vincent Domröse spricht am RSG über Organspende
Nirgendwo wird die Zerbrechlichkeit des Lebens so greifbar wie beim Thema Organspende. Wo für den einen alles endet, beginnt für den anderen mitunter eine zweite Chance. Diese existentielle Nähe von Tod und Hoffnung machte Vincent Domröse den Zehntklässlern des Robert-Schuman-Gymnasiums in einem eindrucksvollen Vortrag erfahrbar – persönlich, schonungslos offen und zutiefst bewegend. Domröse, Mitbegründer der Initiative „louder than death“, weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Zweimal erhielt der junge Mann bereits eine Spenderleber. Eindringlich schilderte er, wie sehr ihn seine Erkrankung körperlich wie seelisch an seine Grenzen brachte: monatelange Krankenhausaufenthalte, ständige Angst und quälende Ungewissheit. „Es gab Tage, an denen ich nicht wusste, ob ich den nächsten noch erleben würde“, sagte Domröse. Heute führt er wieder ein weitgehend normales Leben, das ohne Organspende nicht möglich wäre. Doch Domröse richtete den Blick nicht nur auf seine eigene Geschichte. Er erzählte auch von seinem Freund Rainer Plötz, der aktuell auf eine Bauchspeicheldrüse und eine Niere wartet. Dieser lebt mit Dialyse, Diabetes und massiven Einschränkungen im Alltag, bewahrt sich dabei jedoch seinen Lebensmut. Aus dieser gemeinsamen Erfahrung heraus gründeten die beiden zusammen mit Freunden die Initiative „louder than death“. Ihr Anliegen: informieren, Ängste abbauen und dem Thema Organspende eine laute, menschliche Stimme geben. In der anschließenden Diskussion sprach sich Domröse deutlich für die Widerspruchslösung aus. Diese gilt bereits in vielen europäischen Ländern und hat dort zu deutlich höheren Spenderzahlen geführt. Deutschland hingegen tue sich seit Jahren schwer, diesen Schritt politisch umzusetzen – mit fatalen Folgen für tausende Menschen auf den Wartelisten. Domröse appellierte an die Gymnasiasten, sich eine eigene Haltung zu bilden und das Thema in den Familien offen zu besprechen. Nur so könnten Angehörige im Ernstfall sicher wissen, wie der Wille eines Menschen aussehe. Noch immer gebe es viele Vorurteile und Unsicherheiten, betonte er – umso wichtiger seien ehrliche Gespräche und verlässliche Informationen. Konrektorin Sandra Wagner und Organisator Gregor Raab dankten Domröse für sein Engagement. Dass der Besuch nachhaltigen Eindruck hinterließ, zeigte sich unmittelbar: Mehrere Schüler nahmen noch vor Ort einen Organspendeausweis mit. Ein kleiner Schritt – der für andere eines Tages alles bedeuten kann.